Es wird mittlerweile früh dunkel. Um 17 Uhr hatte sich bereits die Nacht über den Poppeleplatz gelegt. Doch umso heller leuchteten am 11. November, am Martinstag, die vielen kleinen Lichter, die in Laternen und Lampions steckten. Bevor es am FACE-Familienzentrum in der Titiseestraße 3 losging, wurde noch einmal an St. Martin, der seinen Mantel teilte, erinnert.

Es gibt unzählige Variationen von der Legende um St. Martin. Allen gemeinsam ist, dass in einer kalten Nacht ein Mann seinen Mantel mit einem Bettler teilte, weil dieser keinen Mantel besaß. Zuerst erzählten die Mitarbeiterinnen des FACE-Familienzentrums noch einmal diese Geschichte, bevor sie zur Gitarre griffen und das berühmte Lied mit dem Refrain „Rabimmel, Rabimmel, Rabumm“ anstimmten. Und dann setzte sich der Umzug in Bewegung. Vorangingen zwei Mitarbeiterinnen mit Fackeln. An der Serpentine in der Titiseestraße, in der sich der Umzug hinaufschlängelte, wurde sichtbar, wie viele Kinder, Eltern und auch einige Großeltern gekommen waren, um den Lichterabend zu feiern.

Nach dem Rundgang, als der Umzug wieder den Poppeleplatz erreichte, fanden die Menschen an drei Marktständen warme Kartoffelsuppe, Kinderpunsch, Kleidertausch und einen Bastelstand vor. Motto war dabei: Teilen.
So fragten die Mitarbeiterinnen des FACE-Familienzentrums bei jeder ausgegebenen Suppe, ob man sie sich teilen wolle. Falls ja, würde das Schüsselchen mehr befüllt werden. Und beim Kleidertausch konnte jeder mitnehmen, was passte. Möglich war das, weil zuvor Menschen aus der Siedlung Kleidungsstücke ins Stadtteilzentrum im Zabel-Krüger-Damm 52 gebracht hatten.


Der Martinstag geht zurück auf Martin von Tours, einen Bischof, der im vierten Jahrhundert gelebt hat. Zunächst stand er als Soldat im Dienst des römischen Kaisers. In dieser Zeit ereignete sich die berühmte Mantelteilung. Bischof wurde er im Alter von 54 Jahren. Schon bald nach seinem Tod erhielt er de facto den Status eines Heiligen, sein Grab wurde zu einem Pilgerziel. Eine formale Heiligsprechung war damals, anders als heute, nicht üblich.


Den Martinstag wird heute in allen Bundesländern zum Anlass genommen, um an die Tugend des Teilens zu erinnern. Wie viele Lichterumzüge im Umfeld des 11. Novembers stattfinden, lässt sich nicht zählen. Aber der Brauch des Laternenumzugs ist nicht nur hierzulande sehr stark verbreitet.



