Viele Interessierte aus der Nachbarschaft versammelten sich im Foyer des Stadtteilzentrums und blickten neugierig auf das Duo aus Regal und Kühlschrank. Mit einer roten Schleife waren diese umwickelt. Regal und Kühlschrank bilden zusammen die neue Kiezbox, die am 26. November von Eva Hage von der Verbraucherzentrale und Bettina Jungmann vom Stadtteilzentrum Rollberge eröffnet wurde. Ab sofort können alle hier Lebensmittel kostenfrei abholen oder zu viel eingekauftes Essen ablegen.

So funktioniert die Kiezbox
Die Kiezbox ist eine Lebensmittelverteilstation. In Berlin haben sich auch Begriffe wie Fairteiler oder Kiezkühlschrank gebildet. Gemeint ist in allen Fällen ein Ort, an dem sich alle Lebensmittel nehmen können, die andernorts zu viel anfallen. Da die Rettung der Lebensmittel im Mittelpunkt steht, gibt es anders als zum Beispiel bei der Tafel keine Prüfung der Bedürftigkeit. Wirklich alle können vorbeikommen und schauen, ob die Station etwas für sie bereithält.
Das Prinzip der Kiezbox ist Geben oder Nehmen. Das heißt, jeder kann sich Lebensmittel mitnehmen. Und jeder kann, was nach Feier oder Wochenendeinkauf übrig geblieben ist, zum Stadtteilzentrum bringen. Die Mitarbeiter vor Ort prüfen dann, was davon in die Verteilstation für andere gestellt werden kann. Das heißt, man kann sich auch dann Essen herausnehmen, wenn man nicht vorhat, etwas zu geben. Die Erfahrung zeigt, dass in Berlin so viel Lebensmittel weggeworfen werden, dass die Herausforderung darin besteht, diese doch noch an Menschen zu vermitteln, die sie verwenden können.
Das Stadtteilzentrum Rollberge übernimmt Aufsicht und Kontrolle. Zum Beispiel übernehmen die Mitarbeiter des Zentrums die Reinigung der Kiezbox. Sie achten auch darauf, dass Hygieneanforderungen eingehalten werden.

Keine Lebensmittel verschwenden – aber wie?
Vielen ist bewusst, dass viel zu viele Lebensmittel verschwendet werden. Auch im eigenen Alltag. Tipps, was man dagegen tun kann, gab das Projekt „Prima Klima in den Rollbergen“ nach dem feierlichen Moment, in dem die Schleife des roten Bandes gelöst wurde. Eine Möglichkeit, Essen vor dem Müll zu bewahren, ist beispielsweise, es haltbar zu machen, um es später zu essen. Deshalb luden die Mitarbeiter vom Restlos Glücklich e.V., dem Träger des Projekts, in die Küche des Stadtteilzentrums ein, um dort auszuprobieren, wie einfach es ist, zu fermentieren.

Kiezbox mit vielen Unterstützern
Die Eröffnung der Kiezbox in der Rollbergesiedlung begann mit der Arbeit der ehrenamtlichen Helfer des Vereins Foodsharing. Punkt 17 Uhr kamen sie mit ihrem Transporter und brachten mehrere Kisten geretteter Lebensmittel ins Stadtteilzentrum. Diese Lebensmittel bilden die Basis für die Befüllung der Kiezbox, die nun regelmäßig Nachschub durch Foodsharing erhalten wird.

Dann begannen die feierlichen Dankesworte zur Eröffnung der Kiezbox in der Rollbergesiedlung. Das erste hielt Antonia Sprotte, die Klimaschutzbeauftragte im Bezirk Reinickendorf. Sie dankte allen an der Aufstellung der Kiezbox beteiligten Akteuren. Tatsächlich zeigt eine Karte der Verbraucherzentrale, dass es im Bezirk Reinickendorf bislang im Berliner Vergleich nur sehr wenige solcher Tauschstationen gibt. Gerade weil grüne Themen derzeit in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr so hoch angesiedelt sind, sei es wichtig, sichtbare Zeichen für sie zu setzen, sagte sie.

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Kiezboxen sollen auf die Berliner Kampagne für mehr Lebensmittelwertschätzung aufmerksam machen. Sie werden von der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz finanziert. Der Standort Rollbergesiedlung ist einer von zehn, die 2025 in Berlin für eine Kiezbox ausgewählt wurden.
Die Kiezbox als Lebensmittelverteiler steht im Stadtteilzentrum Rollberge, im Zabel-Krüger-Damm 52 (Sharoun-Hochhaus).
Der Verein Foodsharing mit seinen ehrenamtlichen Helfern gehört zu den großen aktiven Lebensmittelretter-Organisationen. Über die Region Reinickendorf informiert die Webseite des Vereins.
Umfassende Erklärungen von Hygiene bis Betreiberschulung, die für Lebensmittel-Verteilstationen in Berlin erforderlich sind, gibt die Verbraucherzentrale.
Das Programm parallel zur Eröffnung der Kiezbox am 26. November hat das Projekt Prima Klima in der Rollbergesiedlung, in der Trägerschaft des Restlos Glücklich e.V., organisiert. Wir haben zum Projekt einen Steckbrief erstellt.
Informationen zur Klimaschutzbeauftragten Antonia Sprotte auf der Webseite des Bezirks Reinickendorf.



